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Was ist Divestment?
Das Ziel von „Divestment“-Initiativen ist der Abzug von Vermögen und Kapitalanlagen, die zur Finanzierung der fossilen Energiegewinnung und damit zum Klimawandel beitragen. Öffentliche und private Finanzinstitutionen investieren Milliardenbeträge in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen ohne Berücksichtigung der klimapolitischen Dimension. Dazu zählen auch staatliche Institutionen, Unternehmen, Pensionskassen, Banken, Versicherungen, Universitäten, religiöse Institutionen etc. Doch droht neben den verheerenden Folgen durch den Klimawandel auch ein ökonomisches Risiko. Um die Erderwärmung zu begrenzen (2-Grad-Ziel), muss der Großteil der fossilen Energiereserven im Boden bleiben und verliert damit finanziell an Wert. Investitionen in CO2-intensive Technologien („Carbon Investments“) stellen insofern nicht nur ein enormes ökologisches, sondern auch ein großes finanzielles Risiko dar. Eine CO2-Blase („Carbon Bubble“) am Kapitalmarkt droht. Die Aktienwerte fossiler Brennstoffunternehmen und die Weltmarktpreise fossiler Energieträger richten sich stark nach den vorhandenen Reserven und der Annahme, diese auch nutzen zu können. Da für die Einhaltung des 2°C-Ziels regulative Mechanismen ergriffen und folglich die Verbrennung fossiler Energieträger beschränkt werden müssen, werden diese Unternehmen massiv an Wert verlieren. Die Aktien werden zu sogenannten „stranded assets“ (verlorene Vermögenswerte). Eine Studie der britischen Bank HSBC zeigt, dass der Wertverlust von Unternehmen und Investitionen im fossilen Sektor 40 – 60 % ausmachen könnte.

Divestment Bewegung
350.org startete gemeinsam mit der britischen Tageszeitung The Guardian die vielleicht aufsehenerregendste Kampagne zum Thema. Unter dem Titel #keepitintheground fordern sie die zwei größten Stiftungen der Welt – die Bill and Miranda Gates Foundation und die Wellcome Trust – dazu auf, ihre Investments aus fossilen Energien abzuziehen. Obwohl Gates nicht plant den Forderungen nachzukommen, versprach er in Reaktion auf die Kampagne zusätzliche 2 Mrd. US Dollar in Erneuerbare Energien zu investieren.
Der Klimaschutz und das finanzielle Risiko einer Carbon Bubble bzw. Überlegungen zu ethischer Verantwortung ermuntern Initiativen international – insbesondere in den USA und Teilen Europas – zu einer Abkehr von fossilen Investitionen. Zahlreiche BürgerInnen- und Studierendenbewegungen, Plattformen und Kampagnen versuchen Investoren davon zu überzeugen, von fossilen Brennstoffen Abstand zu nehmen. Auch Finanzexperten beginnen, das Risiko ernst zu nehmen.
In den Vereinigten Staaten hat vor allem die NGO 350.org – Mitbegründer Bill McKibben war 2013 Gast bei den Erdgesprächen – das Thema aufgegriffen und eine Kampagne zu “Divestment” gestartet. Mit Erfolg: Mehrere Städte, Universitäten, Kirchengemeinden und Verbände haben schon entsprechende Beschlüsse getroffen, ihr Kapital aus der fossilen Energiegewinnung abzuziehen.

 

Divestment in Österreich
Im Rahmen der ERDgespräche im Mai wurde bereits eine Presssekonferenz und eine Podiumsdiskussion zum Thema Divestment veranstaltet.
Eine Studie soll nun den österreichischen Finanzmarkt unter die Lupe nehmen.
In Kooperation mit dem Klima- und Energiefonds wird im Sommer 2015 der erste von Neongreen initiierte “Divestment-Roundtable” (mit österreichischen Opinion-Leader im Umweltbereich) stattfinden.
Im Herbst diesen Jahres ist ein öffentliches Event geplant:
Ein Vertreter von The Guardian wird dazu nach Wien eingeladen, um von der internationalen Kampagne zu berichten. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion werden Divestment-Möglichkeiten und -Aktivitäten in Österreich erläutert. Ein Zwischenstand der Studienergebnisse zur österreichischen Situation wird ebenso präsentiert.